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2.11 Divergence and convergence von Banathy

Designen von Systemen – Bela H. Banathy, Professor für Systemwissenschaften an der San Josè State University, hat, im Gegensatz zu den anderen bereits vorgestellten Modellen, eine ganz andere Perspektive auf den Designprozess.

dynamics of divergence and convergence bela banathy

1996 | Dynamics of divergence and convergence von Bela H. Banathy

Sein Ansatz bezieht sich eher auf das Designen von Systemen – dennoch ist seine Darstellung nicht uninteressant für Designer, auch wenn sie den Designprozess in all seine Einzelheiten nicht holistisch beschreiben können.

Differenzierte Analyse

Seine differenzierte Sicht auf die Analyse (Transcend / Envision) kommt so in keinem der bisher vorgestellten Systeme vor. Hieran wird auch seine Perspektive deutlich, denn als Systemiker geht er von verschiedenen Vorstellungen der Realität aus und genau dieser Umstand, sollte auch in der Analyse berücksichtigt werden. So ist nach Paul Watzlawick die Sicht des Designers (der die Analyse durchführt) nur eine von vielen Sichten – die Subjektivität der einzelnen Sicht kann hier zu falschen Einschätzungen und Schlussfolgerungen führen. Genau diese Sichten sind dargestellt und werden von den abgefragten Grenzen, Designmöglichkeiten und einer Ansammlung von Wertvorstellung und Grundideen verstärkt.

Konvergenz & Divergenz

Die Konvergenz entsteht im ersten Teil durch das Treffen von Entscheidungen und als Konsequenz aus diesen Entscheidungen, durch die Zeichnung einer Zukunft bzw. einer Zukunftsvorstellung. Ist ein eindeutiges Bild der Zukunft entstanden, folgt die Synthese, also das Transformieren dieser Vorstellung in die Realität. Wobei auch hier wieder erst Divergenz herrscht, ausgelöst durch das Anfertigen von Alternativen (die auch alle zu dem jeweiligen Zukunftsbild führen könnten). Diese Divergenz wird aufgelöst durch die Evaluation der möglichen Alternativen und als Konsequenz daraus, die Entscheidung für eine der entwickelten alternativen Umsetzungen.

Evaluation erzeugt Konvergenz

Dieser Evaluierungs- und Entscheidungsprozess erzeugt Konvergenz im zweiten Feld des Diagramms und führt, nach Banathy, zum Modell der Zukunft. Wenn wir dieses Modell hier betrachten, bezieht sich das »Modell der Zukunft« natürlich auf das jeweilig entstandene Produkt.

Was bedeutet das für den Designprozess?

Design erzeugt Konvergenz

Banathys Modell kann natürlich nicht als komplettes Designmodell interpretiert werden, dennoch ist der Vorgang der Divergenz und die Auflösung dieser Divergenz, durch Entscheidungen und das Überführen in die Konvergenz, ein sehr charakteristischer Vorgang im Designprozess. Interessant ist auch, dass in seiner Darstellung die Linien, die offensichtlich Meinungen und Ansichten darstellen sollen, alle einen Ursprung (also ein Problem) haben und von da aus immer divergenter werden, bis es einen Punkt gibt, an dem sie zueinander konvergieren. Sicherlich muss der Designer diese Divergenz von sich aus erzeugen und als Reaktion auf die verschiedenen Meinungen /Ansichten / Interpretationen in Bezug auf die Ressourcen (Zeit, Geld und Personal) reagieren und diesen (theoretisch unendlich fortsetzbaren) Vorgang der Divergenz beenden, um dann durch Entscheidungen zu einer Zielsetzung zu kommen (The Image of the Future System). Dies impliziert auch, dass die Zielsetzung nicht durch das gegebene Problem determiniert ist.

Lösungen sind subjektiv

Das klingt zunächst ungewöhnlich. Zieht man hier jedoch den radikalen Konstruktivismus heran wird schnell klar, dass die Kompromisse, mit welchen bestimmte Funktionen integriert werden, rein subjektiv sind. Das gleiche Prinzip der Divergenz / Konvergenz tritt noch einmal bei der Transformation des Ziels in ein konkretes Produkt auf. Und auch hier muss der Designer (bzw. bei größeren Projekten der Projektmanager) die Phase der Divergenz hiner sich lassen, um in die Phase der Konvergenz und schließlich zum Endprodukt zu kommen.

»Participation is empowering and design is empowered by it«

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