Flat Design: Webdesign Trends unter der Lupe

Flat Design ist sicherlich nicht der neueste Webdesign Trend. Als ich 2011 an ein paar Kampagnen für das neue Windows Phone arbeitete, kam ich das erste Mal in Kontakt mit diesem Flat Design. Microsoft nannte es allerdings Metro Design. Wenn man jedoch von der Kachelgestaltung absah, war es die Geburtsstunde des Flat Designs.

Während viele Jahre das skeuomorphistische Webdesign eigentlich alle Websites prägte, kam mit dem Metro Design eine Gegenbewegung auf. Waren wir vom Skeuomorphismus Verläufe, Schlagschatten und einiges an Eye-Candy gewöhnt, bestand das Metro Design komplett aus einfarbigen, geometrischen Flächen und Icons. Als Gestaltungsmittel nutzte man Schrift, Farben und die Komposition. Einfach, minimalistisch — weniger ist mehr.

Dabei ist dieser Ausbruch von Microsoft aus der „Apple“-isierten Welt verständlich. Man wollte mit dem Windows Phone nochmal versuchen, sich im Smartphone Bereich zu etablieren. Den Microsoftentwicklern musste klar gewesen sein, dass sie dies nur durch eine Innovation erreichen konnten. Sie kehrten dem skeuomorphistischen Webdesign den Rücken zu. Flat Design kann hier als Gegenpol gesehen werden.

Später erstrahlte dann auch Windows 8 im Metro oder auch Flat Design. Nachdem es nun bei Apple aber auch generell im Web den absoluten Effekte-Schlagschatten-Eye-Candy-Overkill gab, entspannte und begeisterte das Flat Design.


Metro Design Windows 8 Kacheloberfläche
Das Metro Design zeichnet sich durch die Kacheldarstellung aus.

Apple veröffentlichte das iOS 7 im Flat Design und auch Google bzw. Android bedienen mit dem Material Design eine Unterkategorie des Flat Designs. Aber dazu gleich mehr.

Was macht Flat Design aus?

In meinem Designstudium habe ich sehr oft die Worte „Weniger ist mehr“ und „form follows function“ gehört. Diese Zitate treffen das Flat Design relativ gut, wenn das Flat Design auch nicht ganz konsequent reduziert ist. Gestaltet wird jetzt nicht mehr mit Schlagschatten, Konturen, Glanz oder halbtransparenten Reflektions-Spielereien. Während für echte Webdesigner auch in skeuomorphistischen Zeiten schon der Farbverlauf der größte Feind war, drangen jetzt reduzierte Gestaltungsmethoden in den Webdesigner Mainstream ein. Was gerade noch der letzte Schrei war, ist jetzt total verpönt und vom letzten Jahr.

Es gibt keine Schnörkel oder wie Adolf Loos sagen würde: Tod dem Ornament — der sinnfreien Dekoration. Das Flat Design scheint sich auf Funktionalität zu konzentrieren. Das Webdesign ist also scheinbar Usability und funktionsorientiert und sollte den User führen.

Durch die Erfindung der Web-Fonts können jetzt auch Schriften systemunabhängig in Websites eingebunden werden. Dies nutzt das Flat Design und versucht Gestaltung über Typographie, geometrische (meist eckige) Objekte und Elemente, Farben und die Komposition bzw. den Weißraum zu erreichen.

Da beim Flat Design Verläufe und Effekte zur Benutzerführung fehlen, müssen die User von Flat Design neues Verhalten erlernen. Buttons haben im straighten Flat Design eben keinen Verlauf mehr — die Handlungsaufforderung an den Nutzer sollte sich im Flat Design aus Position, Größe und Farbe des Interaktionselementes ergeben.

Dies stellt natürlich deutlich mehr Anforderungen an den Webdesigner und/oder Interfacedesigner. Am Flat Design trennt sich die Spreu vom Weizen, da für die minimale Gestaltung ein erhöhtes gestalterisches Können notwendig ist. Sonst wird Flat Design ganz schnell zum Ugly Design.


Die wichtigsten Merkmale von Flat Design:
  • Verzicht auf Texturen, Schatten und Verläufe
  • Flache, einfarbige Elemente und Flächen
  • Einfache, übersichtliche UI-Komponenten
  • Gestaltung durch Typographie und Weißraum
  • Userführung durch Farbe und Größe von Bedienelementen
  • Fokus auf Usability und einfache Bedienbarkeit
  • Geometrische Formen und klare Linien
  • Allgemeiner Minimalismus


Flat Design Beispiel iOS7
Flat Design beim iOS 7 — der Wendepunkt für Apple.

Die Geschichte: Wie Flat Design entstand

Wie konnte Flat Design eigentlich entstehen? In meiner Masterarbeit habe ich mich vor ein paar Jahren mit den Designströmungen in der Geschichte beschäftigt. Witzigerweise ist auch beim Flat Design bzw. beim skeuomorphistischen Design der rote Faden der Designströmungen zu erkennen.

Zu jeder Designströmung bzw. Gestaltung gibt es immer eine Gegenbewegung, die sich nach einiger Zeit aus einer bestimmten Designströmung heraus entwickelt. Nachdem eben nun beim Skeuomorphismus die Effekte und die technischen Möglichkeiten der Darstellung völlig ausgereizt wurden und bald jede Website gleich aussah, entwickelte sich der Wunsch nach einem anderen Reiz für’s Userauge.

Flat Design kann also als Gegenströmung zum Skeuomorphismus betrachtet werden. Und wenn du mal genauer hinschaust, hat das historisch tiefe Wurzeln: Die Schweizer Typografie (auch „Internationaler Typografischer Stil“ genannt), das Bauhaus und die Moderne haben alle schon auf Reduktion und Funktionalität gesetzt. Flat Design bedient sich genau bei diesen Prinzipien — hoher Kontrast, Minimalismus, effiziente Raumnutzung, Symbole statt realistischer Darstellungen.

Das Flat Design erinnert mich von der Theorie aber auch von der Ästhetik an die HFG Ulm und die daraus resultierenden Produkte (Dieter Rams, etc.). „Weniger, aber besser“ — das hätte auch das Motto von Flat Design sein können.


Gut zu wissen: Flat Design hat seinen Ursprung nicht erst im digitalen Zeitalter. Die Wurzeln liegen in der Schweizer Typografie der 1950er Jahre, dem Bauhaus und dem Internationalen Typografischen Stil. Microsofts Metro Design hat diese Prinzipien nur erstmals konsequent ins Interface-Design übertragen.

Flat Design vs. Skeuomorphismus

Am Anfang des Flat Designs wurden lustig alle Buttons und Bedienelemente flach gestaltet — eben Flat Design! Allerdings hat sich mit der Zeit herausgestellt, dass sich so eben die Buttons nicht mehr oder schwerer vom Rest des Interfaces abheben. Der Nutzer hat in der Vergangenheit gelernt, dass Buttons Verläufe haben und meist noch einen Schatten. Der Nutzer hat aus unzähligen Erfahrungen mit anderen Websites gelernt, dass Links unterstrichen sind und dass bestimmte Elemente ein bestimmtes Interaktionsverhalten haben.


Skeuomorphismus im Webdesign Beispiel
Ein typisches Beispiel für Skeuomorphismus im Webdesign.

Sicherlich ist die Abwendung vom Skeuomorphismus (zumindest zum Teil) richtig. Viele skeuomorphistische Ikonen sind jüngeren Benutzern nicht mehr bekannt. Zum Beispiel die Diskette als Speichersymbol. Kein Teenager hat heute jemals in seinem Leben eine echte Diskette in der Hand gehalten. Die kennen die Diskette wahrscheinlich wirklich nur noch als Symbol aus Word oder Google Docs.

Allerdings ist „Flateritis„, die sich seit dem Design Trend Flat Design ausgebreitet hat, mit Vorsicht zu genießen. Buttons und Bedienelemente sollten sich durch die Gestaltung von unwichtigeren Elementen abheben. Eine Bedeutungspriorität einzelner Interface-Elemente sollte sich durch die Gestaltung dem User prägnant und eindeutig kommunizieren. Hier ist die Frage, wie dies mit nur flachen und minimalistischen Elementen kommuniziert werden soll, auf einer Website die mehr als 3 Interaktionsmöglichkeiten auf einer Seite enthält.

Ein Vorteil an Flat Design ist natürlich, dass es schlechtes Design schneller enttarnt. Es gibt nicht mehr so viele Möglichkeiten, neue, der Funktion entgegen gerichtete Deko-Elemente im Design zu verstecken.

Flat Design Skeuomorphismus
Optik Flach, minimalistisch, 2D Realistisch, 3D-Effekte, Texturen
Schatten Keine oder minimal Detaillierte Schlagschatten
Farben Kräftige, flächige Farben Verläufe, Glanz, Reflektionen
Buttons Flach, nur durch Farbe/Position erkennbar Plastisch, durch Verlauf als klickbar erkennbar
Ladezeit Schnell (wenig Grafiken) Langsamer (viele Texturen/Bilder)
Usability Kann leiden (fehlende visuelle Hinweise) Intuitiver (erlerntes Verhalten)
Responsive Ideal anpassbar Schwieriger umzusetzen

Die Vorteile von Flat Design

Flat Design hat sich nicht ohne Grund durchgesetzt. Es gibt ein paar handfeste Vorteile, die den Designstil so beliebt gemacht haben:

  • Schnelle Ladezeiten: Weniger Grafiken, Texturen und Effekte bedeuten kleinere Dateigrößen. Gerade auf mobilen Geräten ein riesiger Pluspunkt.
  • Responsive-freundlich: Flache Elemente lassen sich viel einfacher an verschiedene Bildschirmgrößen anpassen als komplexe 3D-Grafiken.
  • Klare Informationshierarchie: Wenn du es richtig machst, lenkt Flat Design den Blick auf das Wesentliche — den Content.
  • Zeitloses Design: Während skeuomorphistische Designs schnell altbacken wirken, altert Flat Design deutlich langsamer.
  • Einfachere Entwicklung: CSS-basierte Elemente statt aufwendiger Grafiken — das spart Zeit und Geld in der Umsetzung.

Die Nachteile von Flat Design

Aber mal ehrlich: Flat Design ist kein Allheilmittel. Es gibt auch echte Probleme, die du kennen solltest:

  • Usability-Probleme: Studien der Nielsen Norman Group haben gezeigt, dass Nutzer bei zu radikalem Flat Design Schwierigkeiten haben, interaktive Elemente zu erkennen. Wo soll ich klicken?
  • Einheitslook: Wenn alle das gleiche minimalistische Rezept kochen, sehen am Ende auch alle Websites gleich aus. Der Wiedererkennungswert geht flöten.
  • Conversion-Risiko: In Onlineshops kann extremes Flat Design tatsächlich zu weniger Conversions führen, weil sich Call-to-Action-Buttons nicht genug abheben.
  • Höhere Designanforderungen: Klingt paradox, aber minimalistisch gestalten ist schwieriger als es aussieht. Ohne gestalterisches Können wird Flat Design schnell langweilig.

Flat Design 2.0: Semi-Flat Design

Und dann kam die logische Weiterentwicklung: Semi-Flat Design oder auch „Flat Design 2.0″. Die Idee ist simpel — nimm die Klarheit von Flat Design, aber bring ein paar der verloren gegangenen visuellen Hinweise zurück.

Das bedeutet: Subtile Schatten sind wieder erlaubt. Dezente Farbverläufe? Go for it. Leichte Tiefeneffekte bei Buttons, damit der User auch wirklich erkennt, dass das ein Button ist? Absolut.

Semi-Flat Design umgeht die größten Schwächen des reinen Flat Designs, ohne in den Skeuomorphismus zurückzufallen. Es ist quasi das Beste aus beiden Welten. Und wenn du dir heute mal moderne Websites anschaust — die allermeisten arbeiten genau mit diesem Ansatz.


Profi-Tipp: Wenn du heute eine Website gestaltest, fahr mit Semi-Flat Design. Nutze die Klarheit von Flat Design als Basis, aber scheue dich nicht vor dezenten Schatten und subtilen Hover-Effekten. Deine Nutzer werden es dir danken — vor allem bei der Navigation.

Material Design: Googles Antwort

Google hat 2014 mit Material Design eine eigene Design-Sprache vorgestellt, die konsequent auf dem Flat-Design-Gedanken aufbaut — aber eben mit einer cleveren Ergänzung: dem Konzept von physischen Oberflächen und Tiefe.

Material Design denkt sich die Benutzeroberfläche als geschichtete Papierbögen. Elemente „schweben“ übereinander, werfen realistische Schatten und reagieren auf Berührung mit subtilen Animationen (sogenannte „Ripple Effects“). Das Ganze basiert auf einem strengen Grid-System, konsistenter Typografie und einer durchdachten Farbpalette.

Das Clevere daran: Google hat erkannt, dass Menschen physische Metaphern brauchen, um Interfaces intuitiv zu verstehen. Aber statt alte Leder-Texturen nachzubauen (wie beim Skeuomorphismus), nutzt Material Design abstrakte physische Prinzipien — Schwerkraft, Oberflächen, Bewegung.

Heute ist Material Design der Standard für Android-Apps und viele Google-Produkte. Die aktuelle Version Material Design 3 (auch „Material You“ genannt) geht sogar noch weiter und passt sich dynamisch an die Farbpalette des Nutzer-Wallpapers an.

Microsofts Fluent Design

Auch Microsoft hat das Metro Design weiterentwickelt: Fluent Design heißt das aktuelle Designsystem, das mit Windows 11 seinen bisher konsequentesten Auftritt hat. Wo Metro Design noch radikal flach war, setzt Fluent Design auf halbtransparente Elemente (den „Acrylic“-Effekt), sanfte Animationen und subtile Tiefenwirkung durch Licht und Schatten.

Witzig eigentlich: Microsoft hat Flat Design quasi erfunden — und ist jetzt selbst wieder davon abgerückt. Aber genau das zeigt, wie Design-Trends funktionieren: Es ist ein ständiges Pendeln zwischen den Extremen.

Moderne Design-Trends: Was nach Flat Design kam

Flat Design war der Startschuss für eine ganze Reihe von Designströmungen. Lass uns mal schauen, was sich daraus entwickelt hat:

Neumorphismus (Neomorphism)

Neumorphismus ist quasi die „Soft-Version“ von Skeuomorphismus — aber mit Flat-Design-DNA. Elemente sehen aus, als wären sie aus der Oberfläche herausgedrückt oder hineingedrückt. Das wird durch eine Kombination aus hellen und dunklen Schatten auf gleichfarbigem Hintergrund erreicht.

Sieht mega stylish aus, hat aber ein riesiges Problem: Die Usability ist miserabel. Kontrastarme Buttons sind für Nutzer schwer erkennbar, und für Menschen mit Sehbehinderungen ist Neumorphismus ein echtes Hindernis. Deswegen siehst du Neumorphismus heute hauptsächlich in Dribbble-Shots und selten auf echten Produktiv-Websites.

Glassmorphism

Glassmorphism kennt jeder, der schon mal macOS Big Sur oder Windows 11 benutzt hat. Die Idee: Elemente wirken wie mattierte Glasscheiben, durch die der Hintergrund verschwommen durchscheint. Dazu kommen leichte Rahmen und dezente Schatten.

Der Effekt ist visuell beeindruckend und lässt Interfaces elegant und modern wirken. Im Gegensatz zu Neumorphismus funktioniert Glassmorphism tatsächlich auch in der Praxis, solange der Kontrast zwischen Text und Hintergrund stimmt. Apple und Microsoft setzen stark darauf — und viele moderne Web-Apps haben den Trend ebenfalls aufgegriffen.

Claymorphism

Claymorphism ist der jüngste Spross in der Design-Familie. Stell dir vor, deine UI-Elemente wären aus bunter Knete modelliert — weiche, abgerundete Formen mit leichten inneren und äußeren Schatten, die einen 3D-Effekt erzeugen. Der Stil ist verspielt, fröhlich und hat tatsächlich eine ganz gute Usability, weil die Elemente klar voneinander abgegrenzt sind.

Du siehst Claymorphism besonders oft in App-Landing-Pages und bei Startups, die einen modernen, freundlichen Look wollen.

Bento Grid Design

Bento Grid (benannt nach japanischen Bento-Boxen) ist ein Layout-Trend, der wunderbar zu Flat Design passt. Verschiedene Inhalts-Kacheln unterschiedlicher Größe werden wie in einer Bento-Box angeordnet — ähnlich wie bei Apples aktuellen Produkt-Seiten. Jede Kachel hat ihren eigenen Zweck, eigene Farbe und eigene Aussage.

Das Ganze wirkt aufgeräumt, modular und lässt sich fantastisch responsive umsetzen. Apple hat den Trend mit seinen Produktseiten populär gemacht, und inzwischen nutzen ihn viele SaaS-Unternehmen und Tech-Startups für ihre Landing Pages.

Aurora UI

Aurora UI setzt auf weiche, fließende Farbverläufe, die an Polarlichter erinnern. Statt der harten, einfarbigen Flächen von Flat Design bekommst du hier sanfte Übergänge und atmosphärische Hintergründe. Der Trend passt perfekt zu Marken, die eine emotionale, fast magische Stimmung erzeugen wollen.

Stripe und Linear sind zwei bekannte Beispiele für Websites, die Aurora-Elemente nutzen — und ja, die sehen verdammt gut aus.


Alle Design-Trends auf einen Blick:
  • Flat Design: Komplett flach, keine Schatten, keine Verläufe
  • Semi-Flat / Flat 2.0: Flach + subtile Schatten und Tiefe
  • Material Design: Googles System mit Papier-Metapher und Grid
  • Fluent Design: Microsofts System mit Transparenz und Licht
  • Neumorphismus: Soft-3D aus der Oberfläche — stylisch aber unpraktisch
  • Glassmorphism: Mattiertes Glas mit Blur-Effekten
  • Claymorphism: Knete-Look mit weichen 3D-Formen
  • Bento Grid: Modulare Kacheln wie eine japanische Lunchbox
  • Aurora UI: Weiche Farbverläufe wie Polarlichter

Wann du Flat Design einsetzen solltest

Flat Design ist kein Relikt aus vergangenen Zeiten. Es gibt durchaus Situationen, in denen ein flacher Designansatz genau die richtige Wahl ist:

  • Mobile Apps: Schnelle Ladezeiten und klare Touch-Targets — Flat Design fühlt sich auf Smartphones einfach richtig an
  • Dashboard- und Admin-Interfaces: Wenn du viele Daten darstellen musst, hilft die Klarheit von Flat Design enorm
  • Infografiken und Illustrationen: Komplexe Themen einfach visualisieren? Flat ist dein Freund
  • Icon-Design: Bei kleinen Bildschirmgrößen sind flache Icons einfach besser erkennbar
  • Erklär-Seiten und Onboarding-Screens: Schnell auf den Punkt kommen ohne visuelles Rauschen

Und wann lieber nicht? Wenn dein Design Emotionen wecken soll, wenn du Produkte fotorealistisch zeigen musst oder wenn deine Zielgruppe eine persönlichere, wärmere Ansprache erwartet — dann ist reines Flat Design nicht die beste Wahl.

Flat Design: Meine persönliche Meinung

Ich persönlich halte nichts von der strikten Einhaltung von irgendwelchen Webdesign Trends. Man sollte sich jeden Design Trend kritisch anschauen und entscheiden, welche Gestaltungsmerkmale man eventuell verwenden kann, um die eigene Gestaltung zu verbessern.

Witzig bei dem Skeuomorphismus bzw. dem Flat Design Trend fand ich die Reaktion von Webdesigner Kollegen auf die Trends. War gestern noch jedes Element mit mindestens 5 Effekten verziert, wurde am nächsten Tag alles flach gestaltet. Die Verläufe und Schatten waren von heute auf morgen komplett vergessen. Ja sogar verpönt — wenn man dann mal einen dezenten Schatten nutzen wollte — iiiiih! Schatten — das geht ja gar nicht!

Diese kleine Geschichte soll verdeutlichen, dass der Mittelweg meist der nachhaltigste Gestaltungsweg ist.

Das Besondere an der Flat-Design-Geschichte ist, dass aus einer Bewegung (Skeuomorphismus) und einer Gegenbewegung (Flat Design) wieder neue Bewegungen wie Material Design, Neumorphismus und Glassmorphism entstanden sind. Das zeigt: Die komplette Abwendung von Schatten und Tiefe war nur ein Trend. Wenn ein Verlauf die Usability verbessert, dann sollte er auch benutzt werden — egal was gerade „in“ ist.


Mein Tipp als Webdesigner: Orientiere dich nicht blind an Trends. Nimm dir die Prinzipien mit, die dein Projekt besser machen — und ignoriere den Rest. Die besten Websites sind die, die Form und Funktion in Einklang bringen, egal welcher Designstil gerade angesagt ist.

Fazit: Die Balance finden

Flat Design hat die Art und Weise, wie wir digitale Oberflächen gestalten, nachhaltig verändert. Es hat uns gelehrt, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren und unnötige Verzierungen zu hinterfragen. Gleichzeitig hat die Evolution des Flat Designs gezeigt, dass absoluter Minimalismus nicht immer der beste Weg ist.

Die Kunst liegt darin, eine Balance zu finden: So minimalistisch wie möglich, so funktional wie nötig. Gutes Design unterstützt die Nutzererfahrung, anstatt sie zu behindern. Und manchmal braucht es eben doch einen subtilen Schatten oder einen leichten Farbverlauf, um dem Nutzer zu helfen, sich zurechtzufinden.

Was sich seit den Anfängen des Flat Designs wirklich geändert hat: Wir sind pragmatischer geworden. Statt dogmatisch einem Stil zu folgen, kombinieren gute Designer die besten Elemente verschiedener Ansätze. Und genau das ist der wahre Fortschritt.

Häufige Fragen zu Flat Design

Was ist Flat Design einfach erklärt?

Flat Design ist ein minimalistischer Designstil für Websites und Apps, der auf 3D-Effekte, Schatten und Texturen verzichtet. Stattdessen setzt Flat Design auf klare Linien, kräftige Farben und einfache geometrische Formen. Der Fokus liegt auf Funktionalität und Inhalte statt auf Dekoration.

Was ist der Unterschied zwischen Flat Design und Material Design?

Material Design ist Googles Weiterentwicklung von Flat Design. Während reines Flat Design komplett auf Schatten und Tiefe verzichtet, nutzt Material Design dezente Schatten und das Konzept von übereinander liegenden Papierbögen, um Tiefe und Hierarchie zu erzeugen. Material Design ist quasi Flat Design mit physischen Metaphern.

Ist Flat Design noch aktuell?

Die Grundprinzipien von Flat Design — Minimalismus, klare Linien, Fokus auf Funktionalität — sind aktueller denn je. Allerdings nutzen die meisten Designer heute Semi-Flat Design (Flat Design 2.0), also eine Mischung aus Flat Design mit dezenten Schatten und Tiefeneffekten. Reines, dogmatisches Flat Design ohne jegliche Schatten sieht man dagegen kaum noch.

Warum wurde Flat Design so populär?

Flat Design wurde populär, weil es mehrere Probleme gleichzeitig löste: Websites laden schneller (weniger Grafiken), das Design lässt sich einfacher für verschiedene Bildschirmgrößen anpassen (Responsive Design) und die Entwicklung ist kostengünstiger. Außerdem war es eine willkommene Gegenreaktion auf den Effekte-Overkill des Skeuomorphismus.

Was ist Neumorphismus?

Neumorphismus (auch Neomorphism) ist ein Designstil, bei dem UI-Elemente aussehen, als wären sie aus der Oberfläche herausgedrückt. Das wird durch eine Kombination aus hellen und dunklen Schatten auf gleichfarbigem Hintergrund erreicht. Der Stil sieht zwar elegant aus, hat aber Usability-Probleme, weil Buttons und interaktive Elemente schwer zu erkennen sind.

Was ist Glassmorphism?

Glassmorphism ist ein Designtrend, bei dem UI-Elemente wie mattierte Glasscheiben wirken. Der Hintergrund scheint verschwommen durch die Elemente hindurch. Bekannte Beispiele sind macOS Big Sur und Windows 11. Der Effekt erzeugt Tiefe und Eleganz, funktioniert aber nur mit ausreichend Kontrast zwischen Text und Hintergrund.

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Bild von Rafael Luge
Rafael Luge
Hey, ich bin Rafael – Intermedialer Designer (M.A.) und seit 2014 selbstständig mit meiner Agentur Kopf & Stift. Was als Webdesign-Bude startete, ist mittlerweile zu einer echten Leidenschaft für alles rund um WordPress, SEO und künstliche Intelligenz geworden. Über 250 Webprojekte später weiß ich: Die besten Learnings kommen aus der Praxis. Genau die teile ich hier im Blog – von WordPress-Tutorials über KI-Tools bis hin zu SEO-Tipps. Kein Marketing-Blabla, sondern Sachen, die ich selbst täglich nutze. Auf meinem YouTube-Kanal gibt's das Ganze auch als Video-Tutorials. Wenn du Fragen hast, schreib mir gerne!

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